Diskussion zu Nanotechnik
Allgemein
15.5.2012
Mehr Sicherheitsforschung für Nanotechnologie
Eine jahrelange Forderung von Umweltverbänden, Umweltmedizin und Baubiologie nach mehr Sicherheitsforschung im Bereich der Nanotechnik
soll mit einem gemeinsamen Forschungsprojekt des
- Bundesumweltministeriums,
- der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und
- BASF
in einem umfassenden Forschungsprojekt umgesetzt werden.
„Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU), die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und die BASF SE haben ein gemeinsames Projekt zur Sicherheitsforschung gestartet.
Ziel der Studie ist es, fundierte Aussagen über die Langzeitwirkung verschiedener wichtiger Nanomaterialien treffen zu können. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Untersuchung von Wirkungen im Bereich niedriger Belastungen, die für den Arbeitsplatz und die Umwelt eine große Bedeutung haben."
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Was ist Nanomaterial? Definition der EU-Kommission (19.Oktober 2011)
"Ein Nanomaterial in der Definition der EU-Kommission wird beschrieben als „ein natürliches, bei Prozessen anfallendes oder hergestelltes Material, das Partikel in ungebundenem Zustand, als Aggregat oder als Agglomerat enthält, und bei dem mindestens 50 Prozent der Partikel in der Anzahlgrößenverteilung ein oder mehrere Außenmaße im Bereich von 1 nm bis 100 nm haben.“
Die Definition stützt sich auf wissenschaftliche Gutachten des Wissenschaftlichen Ausschusses „Neu auftretende und neu identifizierte Gesundheitsrisiken“ (SCENIHR) und der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC). Die "offizielle" Definition ist notwendig, weil die Gesetzgebung entsprechend angepasst werden muss. Eine Überprüfung ist für 2014 vorgesehen.
Das Europäische Umweltbüro (EEB) ist "tief enttäuscht" über die "zu enge" Definition, was als Nanomaterial gelten soll und was nicht. Das EEB kritisierte, dass die Industrielobby sich gegenüber der EU-Kommission durchgesetzt habe. Es gebe auch Materialien mit weniger als den angegebenen 50 Prozent Bestandteilen unter 100 nm, die neuartige Eigenschaften aufweisen können und durch das Raster fallen und um entsprechende Sicherheitstest herumkommen, kritisierten die Umweltschützer. Es sei völlig unverständlich, warum die EU-Kommission von den wissenschaftlichen Empfehlungen des SCENIHR abweicht, der sogar ab einer Bestandteilmenge von 0,15 Prozent Partikeln unter 100 nm empfohlen hatte, das Material als "Nanomaterial" zu definieren. Zudem sage die reine Größe von Nanopartikeln nicht unbedingt etwas über ihr Sicherheitsrisiko aus."
Am 1.09.2011 veröffentlichte der Sachverständigenrat für Umweltfragen einen Bericht: "Bessere Vorsorge beim Umgang mit Nanomaterialien"
Dabei fordert er besonders in diesem Technologiebereich die verstärkte Anwendung des Vorsorgeprinzipes und verweist vor allem auf Risiken beim Einsatz von Nanosilber in Gütern des täglichen Bedarfs.
Wirkung von Nanopartikeln auf Erbinformation untersucht
Dortmund – "Bei der Suche nach Antworten, um Mechanismen schädlicher Wirkungen von Nanomaterialien besser zu verstehen, ist der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ein weiterer Schritt gelungen. Mit einer speziellen Methode wurde die Wirkung von Stäuben in Nanogröße auf die Erbinformation von Lungenzellen untersucht. Bei allen untersuchten Stoffen konnten Veränderungen der Erbinformation in unterschiedlichem Ausmaß nachgewiesen werden" (28.11.2011)
Vielfältiger Einsatz von Titandioxid und Nanosilber
Im Sommer 2011 wird in Regensburg der Einsatz von "luftreinigendem" Pflaster diskutiert. Dazu die Stellungnahme des SHS e.V. (Pressemitteilung+Pressereaktionen)
Ein Zitat dazu:
"Das Umweltbundesamt empfiehlt weiterhin, die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder frei setzen können, im Sinne eines vorsorgenden Umweltschutzes so lange zu vermeiden, als ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind."
Wir suchen für unsere eigenen Produktbewertungen/ Beratungsgrundlagen noch Informationen zur gesundheitlichen Relevanz von
Nanotechnologie
- in Fugenmassen
- Innenwand- und Fassadenfarben
- Dämmstoffen
- Lüftungskanälen u.a.
- Dachziegeln und anderen "Dachprodukten" (z.B. Titandioxid)
Einen Unterteilung der Risken aus dieser Technik finden sich in einer Zusammenfassung der Arbeit des Physikers und Fachbuchautors Niels Boeing link
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Schwer für den Verbraucher ist die Unterscheidung von "medienwirksamen" Publikationen mit "Katastrophenszenario" =- wirklich fachlich gerechtfertigten Warnungen - und "industriegesteuerten" "Beruhigungsberichten" - da sich für all diese Meldungen und Studien "Vertreter der Wissenschaft" finden.
In der Schweiz gibt es seit längerem einen "Vorsorgeraster" "synthetische Nanomaterialien" (link)
in Deutschland finden sich Datenbanken des BUND (link) ebenso wie der BG Bau (link)
Aktuelle Medienbeiträge und Diskussionsgrundlagen - ohne qualitativer Wertung der einzelnen Beiträge:
2.9.2011: "Die klitzekleine Gefahr" (taz.de): Beitrag
1.9.2011: "Vorsorgestrategie für Nanomaterialien" Beitrag Bundesministerium für Umwelt
SRU Sondergutachten (PDF, 3 MB)
1.9.2011: "Vorsicht vor kleinen Teilchen" (Deutschlandfunk): Beitrag
1.9.2011: "Rätsel um das Nanorisiko" (Süddeutsche.de): Beitrag
1.9.2011: "Kleine Teilchen- großes Risiko" (ARD Tagesschau): Beitrag
5.6.2011: "Schädlicher als gedacht" (der Standard.at): Beitrag
4.3.2011: "Gefahr aus der Nanowelt" (Der Tagesspiegel): Beitrag
2.2.2011: "Bund bilanziert 4 Jahre Nano-Kommission" Beitrag
1.11.2009 "Biozide und Nanopartikel" in Fassadenfarben Beitrag
Diskussionsbeitrag 1 (Stellungnahme BUND)
Diskussionsbeitrag 2 (Umweltbundesamt warnt)
Diskussionsbeitrag 3 (Wie riskant ist Nanotechnologie?)
Diskussionsbeitrag 4 (Diskussion Nanodämmung)
Diskussionsbeitrag 5 (Silbernanomaterialien-Forschungsprojekt)
Diskussionsbeitrag 6 (Herstelleraussagen)
Risiko Titandioxid in Zahnpasta
"Giftige Zwerge in der Umwelt"
Xing Diskussionsforum zu diesem Thema 1
Xing-Diskussionsforum zu diesem Thema 2
Environmental Science and Technology
http://www.smgv.ch/pdf/06-applica_08/2008_21_22_F_Nano_Fassaden.pdf
Titandioxid und Nanonsilber in Fassaden
Pflastersteine als Luftreiniger
Standardtests für Nanomaterialien ungenügend
Synthetische Nanopartikel und Ihre Wirkung (Schweizer Studie- Eawag)
Gesundheitliche und Ökotoxikologische Aspekte (Umweltbundesamt/4.1/4.2 Seite 9 und 10)
Einen sehr großen Überblick zu Risiken/Einstufung verschiedener Nanomaterialien bietet auch die Homepage des Bundesinstituts für Risikobewertung:
Zu einer Reihe dieser Beiträge wurden unsererseits Hersteller/Verfasser, Institutionen und Umweltmediziner in den letzten Wochen um Stellungnahmen gebeten; über "glaubwürdige" Reaktionen werden wir Interessenten gerne informieren.
Weitere Literaturempfehlungen:
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0020112
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749110001855
Informationen zum Arbeitsschutz
Nanosilber
zunehmend findet sich Nanosilber in Artikeln des täglichen Gebrauches - und Hersteller werben mit den gesundheitlichen Vorteilen in den zahlreichen aufgelisteten Bereichen: Auflistung
Dem gegenüber stehen Untersuchungen des BUND:
Nanosilber-Produkte auf dem Vormarsch. Neue BUND-Studie zu Risiken für Umwelt und Gesundheit
Ebenso distanzieren sich zwischenzeitlich Hersteller, die ebenfalls mit antibakteriellem "Silber" werben (z.B. Silberschutz- Silikon) davon, "Nanosilber" einzusetzen. Kritisch anfragenden Verbrauchern beteuert man an der Hotline, grundsätzlich keine Nanotechnik einzusetzen. Schriftliche Bitten um Informationen an uns bezüglich eventueller Nanorisiken - aber auch bezüglich umfassender allgemeiner Produktinformationen wurden mit Hinweis auf die Homepage des Herstellers bisher (15.7.2011) abgelehnt.(Zitat: "Darüber hinausgehenden Daten stellen wir nicht zur Verfügung".)
Im September 2011 fordert der BUND die Verbraucherschutzministerin auf, die Verwendung von Nanosilber in verbrauchernahen Anwendungen vollkommen zu verbieten.
Sachverständige bestätigen Warnungen vor Nano-Materialien. Ilse Aigner muss Verbraucher schützen
In der Ausgabe 3/2011 (September 2011) von UMID (Umwelt und Mensch-Informationsdienst - Herausgeber: Bundesamt für Strahlenschutz,BfR - Bundesinstitut für Risikobewertung, Robert Koch Institut und Umweltbundesamt; Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit APUG -) werden ab Seite 30 http://www.umweltbundesamt.de/umid/archiv/umid0311.pdf ebenfalls die Risiken von nanosilber aufgelistet.
Zusammenfassung: Das BfR rät daher auch weiterhin von einem breiten Einsatz von Nanosilber in verbrauchernahen Produkten ab.
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